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1.3 - Ein Interview mit Ted Wise vom House of Acts 

Sonntag, Mai 21, 2006

Wie bist du mit der Jesus Bewegung in Berührung gekommen?
Ich wollte das beste christliche Leben führen, aber die Leute in der Kirche waren nicht wie die in der Apostelgeschichte. Sie lebten nicht zusammen, sie hatten nichts gemeinsam und sie halfen einander nicht in Problemen. Zunächst versuchte ich, was zu ändern. Später sagte mir der Pastor: „Ted, du bist wahrscheinlich kein Baptist.“

Mittlerweile wurden vieler meiner Freunde Christen. Manche kamen sogar mit zum Gottesdienst mit uns. Der Pastor wollte den Frieden mit der Gemeinde halten und so eröffnete er eine neue Kategorie für uns. Er nannte es eine Mission; ich nannte es Vorurteil. Ich wollte raus aus dem Stress und Problemen meines früheren Lebens. Er war der Meinung, es sei meine geistliche Aufgabe, meine Freunde zur Kirche zu schleppen, so dass er sie zu Tränen langweilen konnte. Er verstand das einfach nicht. Ich brachte meine Freunde zum Gottesdienst so dass er sie anpredigen kann, OK. Aber ich wollte dass er sie langweilt und ich damit elegant von ihrem starken Einfluss auf mich befreit werde ohne jemand vor den Kopf stoßen zu müssen. Ich wollte eigentlich nicht, dass meine Freunde Baptisten werden, außer dass ich dadurch den anderen Gemeindemitgliedern zeigen konnte, dass meine Bekehrung echt war indem sie sich multipliziert.

Meine Frau und ich hatten unseren Frust, aber wir waren nicht total sauer. Nachdem wir einige Zeit regelmäßig zu Treffen gekommen sind, fragte ich den Pastor, ob wir (mittlerweile zehnten-gebende, dauer-anwesende, laut-mitbetende Mitglieder) die leeren Gemeinderäume nutzen könnten um während der Woche ein paar hungrige Menschen aus San Fransisco zu füttern. Er sagte, das ginge nicht wegen der Versicherung.

Bald verkauften wir all unseren Besitz: Häuser, Autos etc und hatten nichts mehr. Wir mieteten ein großes zweistöckiges Bauernhaus in nördlichen Marin County für uns vier Paare und sieben Kinder. Nach einem Monat kam noch ein Paar aus Los Angeles. Dann öffneten wir die Türen und teilten unsere Gastfreundschaft mit den Leuten, für die wir Raum hatten. Einige Pastoren waren dabei, die uns unterstützten und die Glaubwürdigkeit gaben, so dass wir ein Ladenlokal in Haight-Ashbury kaufen konnten, um Menschen zu füttern und Christus zu predigen.

Zunächst ging alles glatt. Wir kriegten uns mit niemand in die Haar (glaub mir, Haare waren damals der moralische Maßstab) und wir konnten das Evangelium mit Tausenden von Leuten teilen. Meisten in Einzelgesprächen bei einer Schüssel Suppe. Manchmal auch bei kostenlosen Konzerten im Part wo wir baten, dass wir eine kurze Durchsage machen könnten, die die Welt enden würde und was man deswegen tun könnte.

Bald fand uns die Presse und es ging rund. Zuerst das christian life Magazin, dann Times und Hunderte andere. Wir wurden das „dafür-oder-dagegen“-Thema. Unsere Bekanntschaft mit der Kirche waren viele Hassbriefe. Es kam uns nicht in den Sinn, wie der Rest der Christenheit auf unsere Lebensverhältnisse reagieren würde. Wir glaubten recht unschuldig daran, dass wir es richtig machten: wir lebten das Neue Testament in 3D.

Letztlich kamen Tausende von Leuten zu Christus und wir hatten eine wunderbare Zeit. Aber zu unsrer Überraschung konnten wir die Frucht unsrer Gemeinschaft selbst in einer ländlichen Gegend nicht genießen. Wir wurden bald zerstreut, genau wie die erste Gemeinde. Wir waren zu utopisch geworden.

Um was ging es in der Jesus Bewegung?
Liebe. Die meisten von uns waren hip bevor dieser summer of love kam und scheiterten beim Versuch, in einer Liebesbeziehung zu leben. Obwohl einigen von unsere bessere Beziehungen hatten als die Beatles untereinander bekamen wir es doch nicht auf die Reihe. Warum war Liebe so kompliziert zu leben???

Wie war es, im House of Acts zu leben?
Besser als in der Kirche. Wir arbeiten bei jedem komischen Job, bei dem es sich ergab, zusammen: Häuser streichen, Löcher graben, alles was wir zusammen tun konnten ohne uns langfristig festlegen zu müssen, damit wir noch unsere Mission in Haight erfüllen konnten. Jedes zwischenmenschliche Problem, das der Menschheit bekannt ist, kam in unsrer kurzen Zeit dort vor. Die christliche Familie die Straße runter ist nicht so vielen Problemen begegnet wie wir. Es war ein Treibhaus für fruchtbare christliche Ideen und Wachstum. Guter Boden, gut gedünkt. Viel Scheiße, viel Wahrheit.

Auf welche Weise hat sich die Botschaft und Praxis der Jesus Bewegung von den anderen traditionellen Gemeinden unterschieden?
Zu der Zeit waren die meisten wichtigen Auseinandersetzungen über den Vietnam-Krieg. Wir hassten ihn. Die Kirchen versuchten uns, in die üblichen für-und-wider-Auseinandersetzungen zu ziehen. Wir nutzen jede Ausschreitung, jeden Protest, jeden Auflauf, jeden Tanz, jeden Tag als wunderbare Möglichkeit. Die Kirchen versuchten immer, Massen zusammenzubringen, aber aus unbegreiflichen Gründen immer auf ihrem Turf. Warum jemand eine große unkontrollierte Masse in seinen Gebieten haben wollte, blieb mir unerklärlich.

Was sollte die Rolle der Kirche im Staat sein und umgekehrt?
Wir sind Salz und Licht. Salz erhält, es würzt und es macht das Leben erträglich. Licht erhellt die Dunkelheit. Wir sind die geheime Regierung der Welt. Wir brauchen kein politisches Amt, um effektiv zu sein. Wir haben die Worte Christi, die Herzen verändern, so dass sie bessere Gesetze machen. Wir wissen, was in der Welt verkehrt ist. Jesus sagte es vom Kreuz: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Wir müssen noch nicht mal Salz und Licht werden, wir sind schon, was wir sein sollen. In der Bibel heißt: „Ihr habt alles, was ihr braucht für Leben und Göttlichkeit“. Außer es ist zu spät und das Salz der Kirche hat seinen Geschmack verloren.

Hier traf der Enthusismus einer Neuentdeckung und die Kraft eines radikalen Lebens auf die Unwissenheit der jungen Leiter. Woher sollten denn diese experimentierfreudigen jungen Missionare wissen, wie man all diesen Herausforderungen begegnet? Wo waren die Mentoren, die dieser Flexibilität auch Festigkeit gaben? Loslassen und Haltgeben – das war der Konflikt, der hier am Anfang schon deutlich wurde. Aber die Jesus People Bewegung war erst noch in den Kinderschuhen.

Ist ne interessante Sache, würde ich integrieren im Buch. Die Übersetzung finde ich teils noch recht holprig, erklärt sich aber aus dem "Slang" des Interview-Partners. gell?

Gruss, Oli Merz

"Einige Pastoren waren dabei, die uns unterstützten und die Glaubwürdigkeit gaben, so dass wir ein Ladenlokal in Haight-Ashbury kaufen konnten, um Menschen zu füttern und Christus zu predigen."

=> "die Glaubwürdigkeit gaben"
= die fuer uns buergten?

das ist echt ein interessantes interview, schliesse mich broccoli aber an: etwas roh uebersetzt

und irgendwie will man mehr wissen. vielleicht, weil ich nicht wirklich insider bin, will ich wissen, was genau schief lief und ein paar hintergrundfakten und so zu den jesus people... (aber vielleicht kommt das noch in den folgenden kap.?)

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