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2.1 - You’ve lost that loving feeling 

Freitag, Juni 09, 2006

Kirksville in Missouri ist die Art von Ort, von der man eigentlich nur dann hört, wenn es dort eine Katastrophe gibt, oder eine berühmte Person in diesen beschaulichen Bergen im amerikanischen Hinterland geboren wurde. Am 25. Februar 1934 erblickte dort John Richard Wimber das Licht der Welt. Das war auch der Tag, an dem sein Vater Basil das Wimber-Haus für immer verließ. John wuchs mit seinen Großeltern Charles und Maude Martin auf einem Bauernhof auf, da seine Mutter sich um den Lebensunterhalt für sich und ihr Kind kümmern musste. Als Einzelkind steckte John seine Energie in das Lernen immer neuer Musikinstrumente, so dass er in jungen Jahren bereits 20 Instrumente spielte. Auch auf anderen Gebieten wie Sport und Sprachen war John begabt und lernte schnell. Schon von Kind an ging John seine eigene Wege und seine Liebe zur Musik brachte ihn dazu, heimlich Black-Jazz-Musik im Radio zu hören, worauf sein Großvater meinte: „Lass mich dich nie erwischen, wie du dieses Zeug hörst“. Mit 6 Jahren schenkte seine Mutter ihm ein Saxophon, für das sie jahrelang gespart hatte. Über die nächsten Jahre wuchse Johns Liebe zur Musik immer weiter, vor allem für das Saxophon, während alles andere in den Hintergrund trat. John träumt davon, eines Tages eine Jazz-Band zu haben, mit der er durch das Land touren könnte. Seine Mutter zog mit ihm dann zunächst nach Illinois und später nach Kalifornien, wo sie sich bessere Arbeitsbedingungen versprach.

Mit 15 Jahren trat John zum ersten Mal in einer Bar auf, und übte während seiner Teenager-Jahre seine Instrumente und Technik weiterhin wie ein Wilder. Seine Schuljahre brachte John mehr oder weniger unspektakulär hinter sich, außer einem Eintrag hier und dort, der auf ein zu aktives Mundwerk schließen lässt. Als er 1953 seinen Abschluss von der High School bekam, entschloss John sich, auf ein lokales College zu gehen. Die Hauptliebe war noch immer seine Musik, mit der an den Wochenenden und auf Festen wie Abschlussfeiern, Hochzeiten und Parties ein bisschen Kleingeld verdiente. Auf einer High-School-Party trat John mit ein paar Freunden auf und lernte dort im Mai 1955 die 17-jährige Carol Evans kennen und flüsterte seinem Freund Dick Heyning zu: „ich werde diese Schnecke dort heiraten“. Am 23.Dezember des Jahres heiratete der 21-jährige John seiner Vorhersage entsprechend die nun volljährige Carol.

John war ein sehr konstanter Zeitgenosse. Er durchlief nicht die wilden Teenager-Jahre wie viele andere, vor allem Musiker, dies taten. Seine Cousins meinten: „Er war immer gut zu uns. Er verlor nie die Nerven, außer vielleicht einmal.“ Er hatte sowohl als Kind wie auch als Jugendlicher und später als Erwachsener ein Bewusstsein für Verantwortung. Entscheidungen traf er niemals emotional, sondern er musste jeweils von einem Vorschlag überzeugt sein. Nicht nur seine charakterliche Stärke machte sich bemerkbar, sondern auch seine körperliche. 1953 wurde John auf seiner High School als „best build“ von der gesamten Schule gewählt. Carol meint über ihn: „Er war die praktischste Person, die ich je kannte.“ Diese ungewöhnliche Kombination von musikalischem Talent, ohne Starallüren und mit viel Pragmatismus führte bald zu den ersten Erfolgen.

Im Jahr seiner Hochzeit gewann John auf dem Light House All Stars Jazz Festival die angesehenen Preise für besten Komponenten und besten Arrangeur. Das beflügelt seinen Traum weiter, mit einer Jazz-Big-Band den Durchbruch zu schaffen. Tagsüber verdiente John sein Geld als Bankangestellter, während die Abende und Nächte der Musik gewidmet waren. Einige Monate später gründete er mit einigen Freunden die Gruppe “the Righteous Brothers”, die zunächst eher als Überbrückung gedacht waren, aber im Laufe der Zeit recht erfolgreich wurden. In den 60-er Jahren gelangen den Righteous Brothers etliche Top-10 Hits, spielten im Vorprogramm der Beatles und Rolling Stones, und landeten mit “You’ve got that loving feeling” einen Welthit (auch bekannt aus dem Film Top Gun).

Trotz der musikalischen Erfolge und Ambitionen nahmen die jungen Wimbers sich die Zeit, eine Familie zu gründen. In den ersten Jahren bekamen sie vier Kinder: Christopher, Timothy, Sean, Stephanie. John liebte seine Kinder und verbrachte tagsüber viel Zeit mit ihnen, da er als Musiker meist nachts arbeiten musste. John wusste lange Zeit nicht über die depressive Veranlagung seiner Frau Bescheid und mit der Zeit stürtzte diese Neigung und der ungewöhnliche Lebensstil als Nachtmensch die Ehe in eine tiefe Krise. Nach nicht allzu langer Zeit verlor der bierliebende, drogenkonsumierende John das Loving-Feeling seiner kleinen Familie und das Paar war auf dem Weg, das Familien-Projekt zu beenden. Als John für einige Auftritte in Las Vegas verweilte, vereinbarte das entfremdete Paar, dass John sich über die Scheidungsmodalitäten dort erkundigen sollte, da es dort im Jahr 1962 leichter war, sich zu trennen als im 4 Stunden entfernten Los Angeles. Während dieses Wochenendes machte John dann seine erste spirituelle Erfahrung:

„Las Vegas ist die Welthauptstadt des Glückspiels. Die neonbeleuchteten Straßen sind übersät mit Hochzeitskapellen, in denen Brautpaare – die sich manchmal erst seit ein paar Stunden kennen – innerhalb von 10 Minuten heiraten können. Scheidungen sind fast ebenso leicht zu erhalten. Las Vegas ist nicht die beste Wohngegend für jemand, dessen Ehe fast am Ende ist.

Und doch wohnte ich 1961 dort – zu der Zeit, als meine Frau Carol mich anrief und mir den Vorschlag machte, ich solle mich über die in Las Vegas mögliche 60-tägig Scheidung ohne Schuldzuweisung erkundigen. Wir waren beide keine Christen. Einige Wochen vorher hatte sie mich gebeten, aus unsrer gemeinsamen Wohnung in Westminster auszuziehen. Ich zog 400 Kilometer weit nach Las Vegas, um als Musiker in einem Casino zu arbeiten. Unsere 3 Söhne blieben bei ihr. Ich liebte Carol und die Kinder, aber ich wusste, dass sich unsere Beziehung sehr verschlechtert hatte.

Ein paar Tage später erzählte ich einem Musiker aus unsrer Band von meinen Problemen. “Warum fährst du nicht einfach mal in die Wüste, um den Sonnenaufgang zu sehen”, schlug er mir vor. “Es ist ein großartiges Ereignis.” Ich hatte mich noch nie für einen Sonnenaufgang interessiert, aber nun war ich so verzweifelt, dass ich beschloss, seinem Rat zu folgen. Ich setzte mich ins Auto und fuhr los.

Auf der Fahrt in die Wüste fing ich auf einmal an, hemmungslos zu weinen. Ich war überwältigt von Jemandem oder Etwas – ich hatte keine Ahnung, von was. Ich stellte den Wagen ab und stieg aus. In meinem Schmerz schaute ich in den Sternenhimmel hinauf und brüllte: “Wenn jemand da ist, dann hilf mir!”
Sofort kam ich mir verlegen vor. Ich kam mir etwas dumm vor, auch wenn niemand meinen Schrei gehört hatte. “Wie furchtbar,” dachte ich, “ich rede schon mit der Dunkelheit. Ich bin schon halb verrückt.”

Als ich aber wieder im Hotel ankam, fand ich einen Zettel mit der Bitte, bei Carol zurückzurufen. “Komm und hol mich ab,” sagte sie. “Ich will ein letztes Mal versuchen, etwas aus unsrer Ehe zu machen.” Ich war verblüfft. Erst einige Stunden vorher hatte ich in den Himmel geschrieen – und dann passiert so etwas. Nicht ohne Selbstgefälligkeit dachte ich: “ich stehe im Kontakt mit der übernatürlichen Welt!”

Ich sprang in mein Auto und fuhr Richtung Westminster. Unterwegs redete ich mit diesem Jemand oder Etwas, mit dem ich in der Wüste geredet hatte. Carol war eigentlich fest entschlossen, sich scheiden zu lassen. Sie hatte sich sogar geweigert, mit mir zu reden. Ich wusste, dass irgendeine Macht, die größer war als ich, diese Änderung bewirkt hatte. Konnte diese Macht Gott sein? “Echt stark von dir”, sagte ich. “Du hast es geschafft, ihre Meinung zu ändern”. So begann mein Gebetsleben.

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