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3.4 MC510 

Montag, September 11, 2006

Es ist relativ selten, dass theologische Kurse Weltruhm erlangen. Das mag daran liegen, dass Theologie und Theorie sich nicht nur ähnlich anhören. Wenn aber die Theorie in die Praxis übernommen wird, dann wird es spannend. Das geschah im Januar 1982. Im Wintersemester wurde im Fuller Institut der Kurs MC 510 "Zeichen, Wunder und Gemeindewachstum" angeboten. MC510 ging als einer der bekanntesten und umstrittensten Theologie-Kurse in die Geschichte ein. Es war der Kurs, der die Erkenntnisse von John vermittelte, und der Raum bot, diese in die Praxis umzusetzen.

Die Vorlesung begann mit 2 Stunden Lehre über die Erkenntnisse, die John über Gemeindewachstum gesammelt hatte. Danach gab John 1 Stunde Zeit, um in einer "Klinik" die praktische Anwendung zu üben. Er lud die Gegenwart des Heiligen Geistes ein und sprach Worte der Erkenntnis, um den Anwesenden zu helfen, das Wirken des Heiligen Geistes zu verstehen. Es war sein Verständnis, dass man das Wirken des Heiligen Geistes wahrnehmen kann und dann mit ihm kooperiert. Was John anders machte als viele vor ihm, war die Anwendung seiner Thesen. Er lehrte nicht nur über Thelogie, sondern praktizierte sie. John gewährt einen Einblick in die Anfänge von MC510 und die Verschmelzung von Theorie und Praxis:

"John Reid, ein Presbyterianer, hatte alles in seinem klar geregelt. Seine Frau Ruthy war die Enkelin des Gründers ihrer Gemeinde-Bewegung. Er kam in die Vorlesung, weil es die einzige Veranstaltung war, die er noch besuchen konnte, um rechtzeitig zu seinem Missionseinsatz zu gelangen. Er wollte eigentlich gar nicht da sein, aber der Kurs wurde zum ersten Mal angeboten und nur so konnte er rechtzeitig aufs Missionsfeld. In der ersten Veranstaltung war er total überrascht. Wunderbare Dinge passierten. Er erzählte das seiner Frau, und sie sagte ihm: "Du gehst dort doch nicht zurück, oder?! Das ist vom Teufel." Er meinte: "Nein, das ist nicht vom Teufel. Dort geht es um die Bibel und was da drin steht."

Bis zur nächsten Woche hatte er sie überzeugt und kam wieder zur Vorlesung. Die Vorlesung war aber so überbucht, dass sie Wächter an den Türen hatten, weil einfach zu viele Leute kommen wollten. Nur die Studenten durften rein. Also bat er mich, eine kleine Notiz zu schreiben, damit er sie mit in den Saal schleusen konnte. Das tat ich, aber sie war nicht pünktlich. Der Babysitter war zu spät und so kam sie einige Minuten nach Beginn der Vorlesung. Ich fing also an, zu lehren. In diesem Saal waren zu beiden Seiten hinter dem Sprecher die Türen, hinter dem Sprecher war eine große Weise Tafel und in der Mitte ein Pult, an dem ich stand. Ich las meine Notizen, lehrte und erklärte alles Mögliche. Auf einmal öffnet sich die Tür. Es ist Ruthy. Sie ist eine kleine Person, etwa 1,60-1,65 Meter groß. Sie sah etwas gehetzt aus, und es war ihr etwas peinlich, dass sie zu spät war. Ich legte meine Brille ab, schaute sie an und sprach laut und klar: "Im Namen Jesus, komm aus ihr raus!" Und der Heilige Geist schmiss sie zu Boden, trieb den Dämon aus ihr und schüttelte sie die nächsten zweieinhalb Stunden umher. Wenn du nicht da warst, wirst du das wahrscheinlich nicht glauben, aber ich nahm meine Brille, drehte mich wieder um und meinte: "wo war ich gerade?!"

Es kam mir nie in den Sinn, ehrlich nicht, dass man so was nicht in einer Bibelschule tut. Die nächsten 2 Jahre sprachen die Leute von Wimbers Dämon. Ihr Mann John war in der letzten Reihe gesessen. Er stürzte nach vorne, stieg über die Bänke und hielt sie den Rest der Vorlesung in seinen Armen. Ihre Theologie hat sich an diesem Abend verändert, genauso wie ein körperliches Leiden, das sie lange Jahre mit sich trug. Sie wurde an diesem Abend sowohl befreit als auch geheilt. Sie hatte jahrelang Migräne-Kopfschmerzen gehabt und kein Arzt konnte ihr helfen. Seit diesem Abend waren die Kopfschmerzen weg.

Danach sind John und Ruthy nach Ägypten und dann in die Elfenbeinküste, um dort Gemeinden zu gründen. Sie trieben dort jeweils Dämonen aus, was ihnen immer Ärger mit der Leitung ihres Verbands einbrachte. (…) Aber die Leitung konnte sie ja nicht rausschmeißen, denn Ruthy war die Enkelin des Gründers. Letztlich kamen sie nach Kasakstan, um dort Gemeinden zu gründen. Ihr Leben war verändert und sie taten den Dienst Jesus selbst."

MC 510 zog auch viele Nicht-Stundenten an und bewirkte bei vielen eine dramatische Veränderung in ihrem Leben und Offenheit für den Heiligen Geist. Die Reaktionen waren aber nicht nur positiv. Etlichen Professoren bei Fuller missfiel sowohl der Kurs, die Wirkung nach außen als auch die praktische Anwendung. Als die Spannungen größer wurden, beendete Fuller den Kurs 1986.

Neben Power-Evangelisation, dem Reich Gottes, dem Dienst Jesu und dem Wirken und den Gaben des Heiligen Geistes wurde ein Modell des Heilungsgebets entwickelt, was als einer der großen Beiträge von John gesehen wurde. Dabei ging es nicht um eine sichere Formel, sondern um einen Weg, um mit dem Heiligen Geist zu kooperieren und sein Wirken zu begleiten. Die 5 Schritte sind eine Reihe von Fragen, um das richtige Vorgehen in der jeweiligen Situation erkennen zu können.

1. Schritt - Interview
Was wollen Sie, das Jesus ihnen tut? (Matthäus 20,32). Nach dem Namen fragen. Auf den Heiligen Geist hören
2. Schritt - Ursache
Warum ist diese Person in diesem Zustand?
Nach Ursachen schauen: emotional, geistlich, dämonisch, phyisch. Wenn angemessen, zur Buße oder zum Bekenntnis einladen
3. Schritt - Gebet (Markus 7,32)
Den Heiligen Geist einladen und sein Wirken preisen. Für die Person einstehen. Zum Schmerz oder dem Zustand sprechen. Hände auflegen (Markus 16,18)
4. Schritt - Gutachten
Was passiert? (Markus 8,22) Die Person beobachten (mit offenen Augen beten). Fragen: was passiert mit ihnen? Beständig auf den Heiligen Geist hören. Zu den Schritten 2 und 3 zurück wenn notwendig.
5. Schritt - Nachfolge
Wie kommen wir zum Schluss? (Johannes 5,14) Ist der Heilige Geist fertig? Zeigt die Person an, dass sie für jetzt fertig ist? Bist du selbst am Ende? Bestätige die Person und ermutige sie, Jesus zu folgen. Ermutige sie zu weiterem Dienst, wo das notwendig ist. Involviere andere Personen, wo angemessen.

Für John brachte dieser Kurs viel öffentliches Interesse. Er wurde ein begehrter Konferenz-Sprecher und musste sich mit der teils heftiger Kritik auseinandersetzen. Für ihn war es eine Zeit, um seine inhaltlichen Überzeugungen auf einen Punkt zu bringen und zu formulieren. Der Name der Vineyard-Gemeinde wurde in aller Welt bekannt und die Vineyard-Bewegung war auf der Weltbühne angekommen.

Auch Johns Gemeinde in Kalifornien profitierte von der Dynamik der Reich-Gottes Theologie. Ein Besucher von damals beschreibt die Atmosphäre: "Ein Jahr zuvor waren meine Frau Kathryn und ich in einer Krise. Unsere Ehe stand unter Beschuss und ein Freund ermutigte mich, John Wimbers Kurs MC 510 bei Fuller zu besuchen, wo "Zeichen und Wunder" nicht nur gelehrt wurden, sondern auch am Ende der Vorlesung eine praktische Anwendung fanden. Er meinte, das könnte eventuell meinen Verletzungen weiterhelfen. Obwohl ich nie die Möglichkeit hatte, die Vorlesung zu besuchen, ging ich im späten Frühjahr zur Anaheim Vineyard. Als ich den Parkplatz der Canyon High School zum Abendgottesdienst betrat, rannten die Leute buchstäblich zur Turnhalle. Es war klar, dass sie nicht zu einer normalen Gemeinde gingen.

Als ich rein kam sah ich 2.000 lässig gekleidete Leute in der Halle. Ich setzte mich auf einen Klappstuhl. Eine Gruppe von Musikern betrat die Bühne an einem Ende des Basketballfelds und fing an, einfache Lieder zu spielen. Es gab keine Liederblätter, keine Overheads, aber fast alle begannen, anzubeten. Ein Lied kam nach dem anderen, mit vielen Wiederholungen. Als ich das beobachtete, sah ich was Neues: eine große Gemeinde, die zum Herrn sang anstatt zueinander. Die meisten saßen, andere standen mit ihren Armen erhoben, einigen knieten. Viele Gesichter waren feucht von Tränen. Viele strahlten. Die meisten schauten nach oben. Als gewöhnlichen Presbyterianer erstaunte mich das. Meine Gottesdiensterfahrung waren drei Lieder, unterbrochen von Gebeten, Bibeltexten, Ansagen und gefolgt von einer Predigt. Aber hier war ununterbrochenes Singen für eine halbe Stunde. Weil die Lieder sehr einfach waren, begann ich, in die Wiederholungen einzustimmen.

Nach der Anbetung stand der große Mann vom Keyboard auf, stellte sich als John Wimber vor, öffnete seine Bibel und begann, zu reden. Aus meinen Tagen bei den Jesus People in den 60ern erwartete ich eine Pop-Predigt aus der Offenbarung über das Ende der Welt. Hier kam ein durchdachter Vortrag über das Reich Gottes, das kam und kommt, und unseren Platz in dieser "Zwischenzeit". Mein skeptisches Selbst war beeindruckt. Dann kam eine "Ministry Zeit", die einen Haufen Worte der Erkenntnis und prophetische Eindrücke enthielt, die Leuten in Aussicht stellt, heute Abend Heilung zu erfahren. Viele reagierten und verließen die Halle an der Seite in einen Raum, wo das Ministry Team für sie beten würde. Ich verließ die Halle und gestand mir ein: "Ich weiß nicht, was Anbetung ist, aber das was ich gerade erlebt habe, muss es sein."

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